Was hinter einem sehr guten Abschluss steckt

In diesem Jahr haben viele unserer Schüler*innen den mittleren Schulabschluss mit hervorragenden Noten gemeistert. Stellvertretend für diese starken Leistungen geben uns Jule und Leonard im Interview einen persönlichen Einblick in ihren Weg zum erfolgreichen Abschluss. Sie erzählen, was sie motiviert hat, wie sie sich auf die Prüfungen vorbereitet haben und welche Erfahrungen sie während ihrer Schulzeit gesammelt haben. Außerdem verraten sie ihre persönlichen Tipps für alle, die sich ebenfalls hohe Ziele setzen.
Herzlichen Glückwunsch zum Mittleren Schulabschluss mit Traumnote! Wie hast du dich gefühlt, als du dein Ergebnis erfahren hast?
Leonard: Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, weil ich es nicht erwartet hatte, so eine gute Note zu haben. Ich hab mich ziemlich gefreut, auch wenn eine nicht ganz so gute Note für mich ok gewesen wäre.
Jule: Erst einmal habe ich es bei der Notenbekanntgabe überhaupt nicht realisiert. Erst auf der Autofahrt kam die Erkenntnis, und da war ich schon sehr stolz auf meine Leistung. Gleichzeitig hatte ich aber auch ein schlechtes Gefühl, weil ich Angst hatte, dass sich andere wegen meines sehr guten Schnitts vielleicht weniger gut fühlen könnten – und das wollte ich nicht.
Auch wenn es vielleicht komisch klingt, gerade von jemandem mit einem 1,0-Schnitt: Eine Note definiert euch nicht. Es gibt so viele andere wichtige Dinge, und jeder Mensch ist auf seine eigene Art wertvoll. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, mir im letzten halben Jahr weniger Stress zu machen – auch wenn der Schnitt dann vielleicht nicht ganz so gut gewesen wäre. Leider bin ich einfach jemand, der sich sehr schnell unter Druck setzt.
Wie hast du dich auf die Abschlussprüfungen vorbereitet und was war für dich dabei besonders wichtig?
Leonard: Der gute Unterricht von allen Oberstufenlehrer*innen war für mich am hilfreichsten, da ich dort super viel mitgenommen habe. Die Pflichtaufgaben und freiwilligen Aufgaben der Lehrer*innen habe ich meistens gemacht, das hat auf jeden Fall geholfen. In den Fächern, in denen man viel auswendig lernen muss, habe ich mich mit einigen Freunden auch außerhalb der Schule gegenseitig abgefragt oder geübt und auch mit meiner Familie gelernt. Freunde machen das Lernen für mich einfacher, weil es noch dazu ein wenig Spaß macht.
Wichtig für mich war auch, dass ich weder von der Familie noch von der Schule Stress hatte, bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Die Lehrer*innen waren immer auf meiner Seite und für mich da, der Umgangston auf Augenhöhe und der Unterricht war oft sogar lustig.
Jule: Bei den Fächern, in denen man viel auswendig lernen muss, hat es mir sehr geholfen, mir den Stoff anzuhören, Erklärvideos anzuschauen und gemeinsam mit meiner Mutter zu lernen, indem ich versucht habe, ihr die Inhalte zu erklären.
Außerdem hilft es, sich Fragen zu den Themen herauszusuchen (zum Beispiel die im NT-Buch), diese zu beantworten und anschließend die Inhalte zu wiederholen, die noch nicht sicher sitzen.
Mir war es trotz der Prüfungen und des Stresses wichtig, immer wieder Dinge zu machen, die mir Spaß machen. So konnte ich zwischendurch abschalten – mal besser und mal schlechter.
Bis zur Oberstufe hast du ja ohne Noten gelernt. Wie hast du den Übergang zu einem benoteten System erlebt?
Jule: Ich habe gemerkt, dass das Vergleichen untereinander ab der Oberstufe deutlich stärker wurde. Nach Tests wurde fast immer gefragt, welche Note oder wie viele Punkte man erreicht hatte. Dadurch wurde auch der Stress immer größer, während er in den Jahren davor eher wenig bis gar nicht vorhanden war.
Trotzdem muss man bedenken, dass wir acht Jahre lang lernen durften, ohne dass Noten im Mittelpunkt standen. Das ist etwas Besonderes und ein großer Vorteil, den man an einer Regelschule in dieser Form meist nicht hat. Deshalb lohnt sich der Übergang meiner Meinung nach trotz der Umstellung.
Leonard: Die Tatsache ob es Noten gibt oder nicht, sagt für mich nichts darüber aus, wie gut man lernt. Ich finde, dass es ohne Noten praktischer ist zu lernen, weil man sich nicht immer vergleicht und sich Stress macht, somit konnte ich immer total stressfrei in die Schule gehen. Auch die Zeit in der Projektstufe (7. und 8. Klasse), die ich ohne Druck erlebt habe, hat mir gut getan. Jetzt im Rückblick erkenne ich, dass mich die Lehrer*innen von klein auf genommen haben wie ich bin und mir viel zugetraut haben, oft mehr als ich mir selber.
Am Anfang der 9. Klasse hatte ich dann schon Respekt vor den Noten, wobei ich schnell in das System reingekommen bin und durch die häufigen benoteten Übungsaufgaben dann Rückmeldung zu meinem Stand bekommen habe.
Dass man selbständig lernt, haben wir ja immer wieder in der Monteschule geübt.
Welche Tipps würdest du jüngeren Schülerinnen und Schülern in Niederseeon geben, die ebenfalls einen erfolgreichen Mittleren Schulabschluss anstreben?
Jule: Ich empfehle euch, im Unterricht präsent zu sein, gut zuzuhören und immer nachzufragen, wenn ihr etwas nicht versteht. So müsst ihr euch später nicht alles zu Hause selbst erarbeiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler*innen, die viele Fragen stellen, oft zu den Besten gehören, weil sie den Stoff wirklich verstehen möchten.
Versucht außerdem, die Zeit in der Schule möglichst produktiv zu nutzen und dort schon so viele Aufgaben wie möglich zu erledigen. Dann könnt ihr eure Freizeit freier gestalten und müsst nicht noch stundenlang Hausaufgaben machen.
Außerdem solltet ihr lernen, euch selbst zu strukturieren und eigenständig zu arbeiten. Gerade in der Prüfungszeit ist das unglaublich wichtig.
Leonard: Zuerst würde ich allen raten, in den niedrigeren Klassen keine Angst vor den Abschlüssen zu haben. Ich war in der Mittelstufe (5. und 6. Klasse) und der Projektstufe einer der schlechteren Schüler und habe mich damit unwohl gefühlt. Ich habe aber in der Oberstufe alles aufgeholt, es wird dort v.a. in der 9. Klasse viel wiederholt.
Ich würde außerdem raten, die schönen Jahre auf der Monteschule zu genießen, die Werkstätten und das Außengelände zu nutzen.
Wenn man dann in der Oberstufe im Unterricht zuhört und alle vorgegebenen Aufgaben macht und in die Lehrer*innen vertraut, dann wird man in der Oberstufe gut durchkommen.
Was mir in Englisch geholfen hat, war Sachen, die man jeden Tag sowieso macht auf Englisch umzustellen, wie Filme schauen und das Handy auf Englisch umzustellen...
Was wirst du aus deiner Zeit an der Montessori-Schule Niederseeon besonders in Erinnerung behalten?
Leonard: Das super-schöne Außengelände, den Wald, das Fußballfeld und den großen Freiraum in der Natur.
Manche Lehrer*innen und ihren Einfluss auf mein Leben werde ich stark in Erinnerung behalten, sie haben mich immer sehr unterstützt, z.B. Claudia mit ihrem ständigen Vertrauen in mich und ihr Motivieren. Die Holzwerkstatt wird immer in meiner Erinnerung bleiben, weil ich da viel von meiner Schulzeit verbracht habe und es immer sehr genossen habe bei Bernhard zu arbeiten. Außerdem die vielen Freunde, die ich leider erst nach der achten Klasse so richtig gefunden habe.
Außerdem werde ich viele schöne Ausflüge in Erinnerung behalten, wie die PS-Wanderung, die Lerncamps und die Abschlussfahrt. Jule: Ich werde vor allem die Zeit in der Grundstufe (1.-4. Klasse) in Erinnerung behalten – das Kochen mit Franz am Feuer sowie die Theaterstücke mit der ganzen GS, bei denen alle zusammengeholfen haben. Besonders in Erinnerung bleiben mir auch die Theaterstücke in der GS2, bei denen wir als Klasse viel Spaß hatten und gemeinsam „die Farben wieder in die Welt bringen“ konnten.
Auch die Projektstufe hat mir viele schöne Erinnerungen mitgegeben. Dort durfte ich viele neue Dinge lernen, zum Beispiel das Planen in der Küche oder den Bau eines Liegestuhls aus Holz.
Und natürlich werde ich die Große Montessori-Arbeit nicht vergessen. Auch wenn ich oft frustriert war – zum Beispiel, wenn die Hundekommode plötzlich gelb wurde oder die Griffe fast abgeflogen sind –, hat mir dieses Projekt gezeigt, wie sehr sich Durchhaltevermögen auszahlt und dass ich etwas wirklich Großes und Schönes erschaffen kann.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei meiner Familie bedanken. Sie hat mich immer wieder aufgebaut und mich auf meinem Weg unterstützt.
Wie geht es für dich nach dem Schulabschluss weiter und worauf freust du dich am meisten?
Jule: Nach meinem Schulabschluss werde ich auf die MOS gehen und dort den Zweig Wirtschaft besuchen. Mein Ziel ist es, auf jeden Fall das Fachabitur und vielleicht auch das allgemeine Abitur zu machen.
Leonard: Ich gehe auf die MOS in den sozialen Zweig und habe ehrlich gesagt Respekt davor, weil es etwas Neues ist, ich meine vertraute Schule und Freunde verlasse und mir Veränderungen schwer fallen. Ich freue ich am meisten auf die Praktikumsfahrten dort.




