top of page

Schutzkonzept zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt

1. Leitbild und Zielsetzung

​

Die Montessori-Schule Niederseeon versteht sich als sicherer Lern-, Lebens- und Arbeitsraum für alle Schülerinnen und Schüler, für alle Mitarbeitenden und für alle Eltern. Grundlage unserer Zusammenarbeit sind Achtung, Partizipation, Transparenz und Gewaltfreiheit.

 

Montessori-Pädagogik basiert auf der Achtung der Integrität des Kindes – dazu gehört ausdrücklich auch die körperliche Selbstbestimmung. Kinder werden darin begleitet, eigene Grenzen wahrzunehmen, zu benennen und zu wahren. Wir achten die Kinderrechte, bestärken sie in ihrem Selbstwert und in einer gesunden Abgrenzungsfähigkeit.

 

Professionelle Pädagogik schützt Kinder durch klare Regeln und Grenzen, transparente Verantwortlichkeiten und sichere Strukturen. Deshalb arbeiten wir mit verantwortlich verteilten Rollen, Dezentralisierung von Macht, Qualitätsstandards, sowie klaren Ansprech- und Beschwerdewegen.

 

Ziel unseres Schutzkonzepts ist die Erfüllung des Schutzauftrags sowie des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule.
 

Dabei gilt:

  • Die Schule darf kein Tatort werden – Kinder und Jugendliche müssen vor jeder Form von Gewalt geschützt sein.

  • Die Schule soll ein Kompetenzort sein – Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt und wissen, wo sie Hilfe erhalten.

 

Weitere Ziele sind:

  • die kontinuierliche Analyse von Risiken und strukturellen Schwachstellen

  • die laufende Weiterentwicklung des Schutzkonzepts

  • Sicherheit und Transparenz im Vorgehen bei Verdachtsfällen, Krisen und Notfällen

  • die Sensibilisierung aller Akteure (Kollegium, Kursleitungen, Eltern, Schülerinnen und Schüler)

 

​

​

​

2. Interventionsplan und Krisenmanagement

 

Ein Vorgehen für alle Beteiligten in Konfliktsituationen haben wir in unserem Deeskalationsmodell dargelegt.

 

Unser Interventionsplan beinhaltet eine klare Vorgehensweise bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt und bietet damit allen schulischen Beschäftigten die erforderliche Sicherheit und Orientierung.

 

Unser Interventionsplan beinhaltet:

  1. Wahrnehmen und sachliche Dokumentation

  2. Sicherstellung des Schutzes des betroffenen Kindes

  3. Benennung der Zusammensetzung des Schutz-/Krisenteams

  4. Einbindung von Schulleitung und Schutz-/Krisenteam

  5. Einbindung der Eltern

  6. Einbindung externer Fachstellen

  7. transparente, sensible Kommunikation

  8. Nachsorge und Unterstützung aller Beteiligten

  9. transparenter Ablauf eines Rehabilitationsverfahrens

 

​​

​

​

3. Kooperation und Vernetzung

​

Wir arbeiten eng mit qualifizierten schulberatenden Diensten, dem Jugendamt und externen Fachberatungsstellen zusammen, um uns im Verdachtsfall objektiv und professionell beraten lassen zu können.

 

​​

​

​

4. Personalverantwortung und Qualifizierung

​

Bei der Einstellung unseres Personals achten wir auf den Schutz unserer Kinder und Jugendlichen. So ist die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses genauso Pflicht, wie die Unterzeichnung unseres Verhaltenskodex

 

.

 

Dieser regelt insbesondere:

  • einen respektvollen, wertschätzenden Umgang

  • eine klare Gestaltung von Nähe und Distanz

  • Transparenz bei Einzelkontakten

  • einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien

  • professionelles Handeln in Konflikt- und Grenzsituationen

 

Am Schuljahresanfang werden alle Mitarbeitenden über den Verhaltenskodex belehrt. Außerdem gibt es regelmäßige fachspezifische Fortbildungen und Workshops für alle Beschäftigten, in denen Basiswissen zum Thema vermittelt wird.

 

Des Weiteren haben wir eine ausgebildete Fachkraft für Prävention sexualisierter Gewalt in unserem Team, die die Kolleginnen und Kollegen individuell bei Fragen zu diesem Thema beraten kann.

 

​

​

​

5. Partizipation

​

Schulische Mitbestimmung verstehen wir als einen Beitrag zur Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen und ermutigt sie, sich bei Problemen Hilfe und Unterstützung zu holen. Auf Seiten der Schülerschaft arbeiten wir hier mit folgenden Bausteinen:

 

Ganz niederschwellig bieten wir alltägliche Möglichkeiten der Mitbestimmung und Beschwerde durch Klassenrat und Kreisthemen. Wir bilden Busbegleiter*innen und  Friedenshelfer*innen aus, die in verschiedenen Situationen des Schulalltags unterstützen.  Außerdem arbeiten wir eng mit der SMV zusammen, die beispielsweise auch fester Bestandteil des Schulbeirats ist, unserem Gremium, in dem sich alle Säulen der Schule regelmäßig zum Austausch treffen. Dies sind neben der SMV, die Lehrkräfte, die Eltern und der Verein, welche durch Vertretungen dort teilhaben.

 

Unsere jährliche anonyme Umfrage evaluiert die allgemeine Zufriedenheit der Schülerschaft an unserer Schule, gibt Möglichkeit zur anonymen Rückmeldung bei Problemen und fragt den Informationsstand bezüglich schützender Strukturen ab.

 

Ebenso beziehen wir die Erfahrungen und Vorschläge unseres Kollegiums in die Weiterentwicklung unseres Schutzkonzepts mit ein. In regelmäßigen Risiko- und Potenzialanalysen fragen wir nach Erfahrungen und Best-Practice-Modellen aus dem Schulalltag um gezielt strukturelle Schwachstellen aufzudecken und unser Schutzkonzept kontinuierlich zu verbessern.

Hier werden auch beispielsweise Themen wie “Einzelsettings und Rückzugsräume”, “Pausen/Ausflüge/Projekte/Klassenfahrten”, “digitale Kommunikation und Mediennutzung” sowie “altersübergreifende Gruppendynamiken und Machtverhältnisse” diskutiert.

Gegebenenfalls werden so auch bauliche Veränderungen vorgenommen (z. B. Glaseinsätze in Türen, offene Türen; angepasste Raumaufteilungen).

 

​

​

​

6. Ansprechstellen und Beschwerdestrukturen

​

Die Nennung von Ansprechstellen und Hilfsangeboten ist ein wichtiges Signal an die Schulgemeinschaft, um für Problemlagen gerüstet zu sein. Funktionierende Beschwerdestrukturen sorgen dafür, dass ein Problem frühzeitig erkannt und entsprechend gehandelt werden kann.

 

Für die Schülerinnen und Schüler gibt es an unserer Schule deshalb verschiedene Beratungs- und Informationsmöglichkeiten:

 

  • Da der Beziehung zwischen der Schülerschaft und den Lehrkräften an der Montessori Schule Niederseeon eine große Bedeutung beigemessen wird, stehen ihnen als allererstes die Lehrkräfte als Ansprechstellen oder bei Beschwerden zur Verfügung.

  • Bei Bedarf können sie sich an die Verbindungslehrkräfte, die die SMV begleiten, wenden, an die Begleitungen der Buslotsen*innen und Friedenshelfer*innen oder auch in die Schulleitung.

  • Unser Kummerkasten bietet ganz niederschwellig eine Möglichkeit, sich bei Problemen, Hinweisen oder Beschwerden auch anonym zu melden. Er wird wöchentlich von unserer Präventionsfachkraft geleert.

  • Außerdem gewährleistet eine wöchentliche Sprechstunde unserer Präventionsfachkraft in einem geschützten Rahmen in der Oase eine kontinuierliche, zeitnahe und unkomplizierte Beratung aller Schülerinnen und Schüler.

  • Weiterhin stellen wir in den Toiletten altersgerechte Infomaterialien zu externen Beratungsstellen zur Verfügung (zB. die „Nummer gegen Kummer”, IMMA e.V., KIBS etc.).

 

Auch für die Mitarbeitenden gibt es Ansprechstellen und Beschwerdewege:

 

  • Unter der Mailadresse vs@niederseeon.de können sich Mitarbeitende an beide Vorstände des Vereins gleichzeitig wenden.

  • Des Weiteren gibt es einen Betriebsrat, der Beschwerden aufnehmen und beim weiteren Umgang damit unterstützen kann. Dieser trifft sich kontinuierlich mit den Vorständen des Vereins. Es gibt einen Briefkasten im Sekretariat, in den man auch anonym Beschwerden einwerfen kann. Außerdem ist er unter br@niederseeon.de erreichbar.

  • Eine Lehrkraft ist als pädagogische(r) Aufsichtsrat*in von den Mitarbeitenden gewählt und vertritt sie in diesem Gremium des Vereins, der die Aufsicht über die Vorstände innehat. Sie ist bei Bedarf ansprechbar über ihre Mailadresse oder auch anonym über ihr Fach im Sekretariat. Der Aufsichtsrat trifft sich quartalsweise mit den Vorständen des Vereins.

 

Eltern können sich an folgende Strukturen halten:

 

  • Zuerst einmal sind die entsprechenden Lehrkräfte ansprechbar. Bei weiteren Schritten gilt das Deeskalationsmodell.

  • Die Präventionsfachkraft berät bei Bedarf zu den entsprechenden Themen.

  • Die Drehscheibe ist den jeweiligen Schulbeiratstreffen vorgeschaltet und kann von jedem Elternteil bei unklaren Zuständigkeiten genutzt werden.

  • Unter der Adresse vs@niederseeon.de können die beiden Vorstände des Vereins kontaktiert werden.

 

​

​

​

7. Präventionsangebote

​

Wir möchten unsere Schüler*innen in ihrer Entwicklung zu kompetenten, selbstständigen Persönlichkeiten bestärken. Hierzu gehört es auch, über Themen wie sexualisierte Gewalt altersgemäß zu sprechen und sie über mögliche Hilfs- und Unterstützungsangebote zu informieren.

 

Deshalb haben wir in allen Altersstufen entsprechende Präventionsangebote etabliert:

 

  • In allen Stufen arbeiten wir mit „Pack-ma’s“. Dies sind altersgerechte Übungen zu Vertrauen, Kooperation und Grenzsetzung.

 

 

Grundschule (GS):

  • Präventionsworkshop in der 3. Klasse (z. B. Nein-Sagen, Körpergrenzen)

  • Friedenshelfer*innen-Ausbildung in der 4. Klasse (Streitschlichtung, Empathie und Wahrnehmung eigener Grenzen)

  • bewusst kein Einsatz digitaler Medien in der Grundstufe und Elternsensibilisierung, damit Kinder in dieser Zeit ohne Smartphone aufwachsen können

 

Mittelstufe (MS):

  • MFM- ein sexualpädagogisches Projekt in der 5. Klasse

  • Elternabend zu den Gefahren bei der frühen Nutzung digitaler Medien

  • Growth-Mindset-Arbeit

 

Projektstufe (PS):

  • FAQyou-Workshop in der 8. Klasse, ein sexualpädagogisches Angebot von Schüler*innen der 10. Klasse

  • Suchtprävention

 

Oberstufe (OS):

  • Präventionsworkshop zum Thema sexualisierte Gewalt in der 9. Klasse (u.a. von Wildwasser e.V.)

 

​​

​​

​

8. Strukturelle Prävention

 

Die Montessori-Pädagogik bringt besondere pädagogische Strukturen mit sich, die die Beziehungsgestaltung aller Beteiligten beeinflussen. So verringert sich durch das Fehlen von Noten, dem “Sitzen bleiben” oder das Bloßstellen von Schüler*innen im Unterricht der Druck auf die Schülerschaft. Ein partnerschaftliches Miteinander ist dadurch eher möglich.

Auch das Vergleichen der Schüler*innen untereinander wird z.B. durch die Klassenmischung in den Gruppen erschwert und der Blick auf die Vielfalt unter den Menschen so bewusst gestärkt.

Durch das Teamteaching von Lehrertandems gibt es für die Schülerschaft immer mehrere Ansprechpartner*innen.

Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrerschaft wird durch die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler für ihren Lernprozess entspannt. Sie können gemeinsam hinschauen, wie sie die Kinder dabei am besten unterstützen können.

 

​​

​​

​​

9. Evaluation und Weiterentwicklung

​

Das Schutzkonzept wird regelmäßig überprüft, angepasst und der Schulgemeinschaft auf der Schulversammlung zu Beginn eines jeden Jahres transparent gemacht.

bottom of page