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Leseeltern im Alltag bei uns in Niederseeon – Gemeinsam Freude am Lesen wecken

  • christiankrumbein
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Lesen öffnet Welten, fördert Fantasie und stärkt die sprachliche Entwicklung von Kindern nachhaltig. An unserer Montessori-Schule in Niederseeon ist das Lesen daher ein zentraler Bestandteil des pädagogischen Alltags. Ein besonderes Element dabei ist das Konzept der Leseeltern, das Gemeinschaft, Bildungsfreude und die Montessori-Pädagogik auf sinnvolle Weise miteinander verbindet.


Montessori und die Bedeutung des Lesens

Die Montessori-Pädagogik geht davon aus, dass Kinder von Natur aus neugierig sind und aus eigenem Antrieb lernen möchten. Bereits früh entwickeln sie ein starkes Interesse an Sprache, Schrift und Geschichten. In vorbereiteten Lernumgebungen erhalten sie vielfältige Möglichkeiten, Lesen nicht als Pflicht, sondern als freudvolle Entdeckungsreise zu erleben.

Ganz im Sinne von Maria Montessori verstehen wir Lesen als einen selbstbestimmten Prozess: Kinder wählen Bücher entsprechend ihres Entwicklungsstandes, tauchen in Geschichten ein und erweitern dabei ihren Wortschatz, ihr Textverständnis und ihre Konzentrationsfähigkeit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auch auf dem flüssigen Lesen, das durch regelmäßige Übung gestärkt wird.


Was sind Leseeltern?

Leseeltern sind engagierte Eltern unserer Schulgemeinschaft, die sich freiwillig dazu bereit erklären, für einen begrenzten Zeitraum aktiv am Schulalltag mitzuwirken. Sie begleiten die Kinder der Grundstufe (1. bis 4. Klasse) und lesen regelmäßig gemeinsam mit ihnen.

Dabei geht es nicht um Leistungsdruck oder klassische Unterrichtssituationen, sondern um eine ruhige, wertschätzende Eins-zu-eins-Situation. Die Kinder erleben Erwachsene als zugewandte Zuhörer und Vorbilder im Lesen – losgelöst von der Gruppe und in einem geschützten Rahmen.


Der Lesepass – Struktur und Motivation

Ein zentrales Element des Leseeltern-Konzepts ist der Lesepass. Er gibt den Kindern Orientierung, Motivation und ein klares Ziel vor Augen.

  • Es gibt Lesepässe für die Stufen 1 bis 4

  • Jeder Lesepass enthält eine Auswahl an Büchern

  • Die Bücher sind von den Lehrkräften vorselektiert

  • Sie unterscheiden sich in Schwierigkeitsgraden

  • Die Bücher sind thematisch kategorisiert (z. B. Abenteuer, Sachbuch, Fantasie)

Ziel ist es, den jeweiligen Lesepass vollständig zu bearbeiten. Ist ein Lesepass abgeschlossen, erhält das Kind den nächsten Lesepass, der an den individuellen Lernstand anknüpft. So wird die Lesekompetenz Schritt für Schritt aufgebaut und sichtbar gemacht.



Organisation: Lesen im Monats- und Wochenrhythmus

Das Leseeltern-Konzept ist klar strukturiert und gleichzeitig gut in den Schulalltag integrierbar:

  • Die Teilnahme der Eltern erfolgt im Monatsrhythmus

  • Pro Monat begleitet jeweils ein Elternteil die Grundstufen

  • Einmal pro Woche findet eine feste Lesezeit statt

  • Pro Woche lesen etwa 7–8 Kinder

  • Jedes Kind liest ca. 10 Minuten einzeln mit einem Elternteil

  • Das Lesen erfolgt nicht in Gruppen, sondern bewusst eins zu eins, losgelöst vom Gruppengeschehen

Diese Regelmäßigkeit gibt den Kindern Sicherheit und hilft ihnen, Routine und Lesefluss zu entwickeln.


Warum Leseeltern so wertvoll sind

Das Projekt bringt zahlreiche Vorteile für alle Beteiligten:

Für die Kinder

  • Stärkung der Lesemotivation

  • Förderung von flüssigem Lesen und Leseverständnis

  • Positive emotionale Verknüpfung mit Büchern

  • Regelmäßiges Üben in ruhiger Atmosphäre

  • Überwindung von Hemmungen, z. B. beim Lesen vor zunächst fremden Erwachsenen

  • Persönliche Zuwendung und echte Beziehungserfahrungen

Für die Eltern

  • Aktive Teilhabe am Schulalltag

  • Einblick in die Montessori-Pädagogik und die Lernentwicklung der Kinder

  • Sinnstiftendes Engagement in überschaubarem Zeitrahmen

  • Stärkung der Eltern-Schule-Beziehung

Für die Schule

  • Lebendige Bildungspartnerschaft

  • Stärkung der Schulgemeinschaft

  • Verlässliche Unterstützung der Leseförderung

  • Vielfältige Impulse durch unterschiedliche Persönlichkeiten


Lesen als Beziehungserfahrung

Im Mittelpunkt des Leseeltern-Konzepts steht nicht das „perfekte Lesen“, sondern die gemeinsame Erfahrung. Das einzelne Kind mit seiner Geschichte, seinem Tempo und seinem Können steht im Fokus. Durch die ungeteilte Aufmerksamkeit entsteht ein Raum, in dem Kinder sich trauen, wachsen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können.

Die Montessori-Pädagogik lebt von genau solchen Momenten: wenn Lernen aus Beziehung entsteht und Bildung als gemeinschaftlicher Prozess verstanden wird.



Gemeinsam Lernräume gestalten

Mit dem Leseeltern-Projekt öffnen wir unsere Schule bewusst nach außen und laden Eltern ein, aktiv Teil unserer Lernkultur zu sein. Gemeinsam schaffen wir Räume, in denen Kinder lesen, zuhören, üben, Vertrauen aufbauen und ihre Freude an Sprache entdecken können.


Wir danken allen Eltern, die sich als Leseeltern engagieren – sie machen unsere Schule in Niederseeon ein Stück lebendiger und reicher.

 
 
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