Warum die Klassensprecher in Niederseeon jetzt Abgeordnete heißen

An unserer Schule geht die Schüler-Mitverantwortung neue Wege. Statt klassischer Klassensprecherinnen und Klassensprecher bestimmen die Kinder nun als gewählte „Abgeordnete“ im eigenen Schulparlament aktiv mit. Wie es zu dieser Reform kam und warum die Kinder dadurch echte Selbstwirksamkeit erfahren, erklärt Verbindungslehrkraft Christina. In Niederseeon gibt es seit diesem Schuljahr keine Klassensprecherinnen und Klassensprecher mehr. Wer hatte die Idee für diese Reform?
Wir waren im März bei der Bezirksausschusstagung in Grafing, wo sich die SchülersprecherInnen aller Mittelschulen im Landkreis Ebersberg treffen. Dort haben wir erfahren, dass die Schule in Grafing auf ein Schulparlament umgestellt hat. Den beiden Schülerinnen, die mit dabei waren, hat das Konzept sehr gut gefallen. Da sie ab April in der Prüfungsphase allerdings so eingespannt waren, lief der Antrag (in ihrer Abwesenheit) über mich bzw. wurde von weiteren KlassensprecherInnen gestützt. Bei der Abstimmung wurde schließlich auch entschieden, dass ein neues Konzept mit einem neuen Namen auch besser funktioniert. Was ist neu an dem Konzept? Die Veränderung ist, dass die Klassensprecher jetzt Abgeordnete heißen und wir ihre Aufgaben und Pflichten noch einmal konkreter definiert haben. So haben sie zum Beispiel eine Vorbildfunktion. Und die Abgeordneten treffen sich nun regelmäßiger. Der feste Rhythmus ist nun auch in der Satzung verankert, die im Zuge der Schulparlamentsgründung komplett überarbeitet wurde, da die vorherige kaum bekannt war.
Neben einer internen Sitzung findet in jeder Epoche auch eine öffentliche Sitzung statt, zu der auch Nicht-Abgeordnete dazukommen und ihre Ideen einbringen können. Neu ist zudem, dass die Schülersprecher gleichzeitig die Vorsitzenden des Parlaments sind und – ähnlich wie im Gruppenrat – die Moderation übernehmen. Außerdem vertreten die Schülersprecher die Schülerschaft im Schulbeirat. Das war zwar theoretisch schon in der Satzung verankert, wurde bisher aber nicht so praktiziert. Wer kann als Abgeordnete oder Abgeordneter kandidieren?
In der Grundstufe geht das erst ab der dritten Jahrgangsstufe, weil dafür bestimmte Voraussetzungen und Fertigkeiten vorhanden sein müssen – zum Beispiel, dass man schon ein bisschen mitschreiben kann. Grundsätzlich kann aber jeder kandidieren. Das Wahlverfahren ist laut Satzung den einzelnen Gruppen überlassen, und es werden jeweils zwei Abgeordnete und ein Stellvertreter gewählt.
Bisher gab es eine paritätische Aufteilung (Klassensprecher*in/Vertreter*in jeweils nach Geschlecht). Warum haben sich die Kinder nun gegen eine Quote entschieden?
Schon in der alten Satzung von 2020 war gar nicht vorgeschrieben, dass es feste Quoten geben muss. Dort stand lediglich bezüglich der Schülersprecherwahl, dass eine quotierte Besetzung nach Möglichkeit angestrebt wird, je nach dem, wer kandidiert. Dieses Jahr sind es beispielsweise zwei Jungs, letztes Jahr waren es ein Mädchen und ein Junge. Es ist also für keinen Posten verpflichtend vorgeschrieben, aber bei den insgesamt 20 Abgeordneten haben wir nun ohnehin eine sehr gleichmäßige Mischung. Eine wichtige Neuerung aus der Satzung ist zudem: Früher kamen beide SchülersprecherInnen aus der Oberstufe. Da diese ab April jedoch voll in der Prüfungsphase sind, hatten wir danach praktisch keinen aktiven Schülersprecher mehr. Deshalb wurde die Satzung so geändert, dass ein Schülersprecher oder eine Schülersprecherin aus der Oberstufe und einer oder eine aus der Projektstufe kommt, damit das Parlament bis zum Schuljahresende quasi geschäftsführend besetzt ist. Hast du schon eine Idee, mit welchen Themen sich die Abgeordneten beschäftigen könnten? Das lässt sich im Moment noch schwer einschätzen. In der Satzung, mit der wir uns intensiv beschäftigt haben, ist auch verankert, dass das Schulparlament ein Budget beantragen kann. Das wird genau der erste Punkt sein, den die beiden Schülersprecher am 20. Oktober in den Schulbeirat einbringen. Alles Weitere ist noch offen, da das Konzept gerade erst anläuft und wir alle gespannt sind, was uns erwartet. Die Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler war – von mir zusammengefasst –, dass sie durch diesen Prozess eine echte Selbstwirksamkeit verspüren. Sie haben nicht nur ein Amt um des Amtes willen, sondern können aktiv etwas bewegen und mitgestalten.




