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"Manche entdecken auf der Bühne ganz neue Seiten an sich"

  • blum-katharina
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
Der Wassertanz: 2025 brachten die Schülerinnen und Schüler der Grundstufe beim Sommerfest das Stück "Gaja Gaja Mutter Erde" auf die Bühne.
Der Wassertanz: 2025 brachten die Schülerinnen und Schüler der Grundstufe beim Sommerfest das Stück "Gaja Gaja Mutter Erde" auf die Bühne.

Unser Sommerfest "Senseeon" am kommenden Samstag steht vor der Tür - und die Vorfreude in der Grundstufe steigt. In diesem Jahr präsentieren die Dritt- und Viertklässler gleich mehrere selbst entwickelte Theaterstücke zum Thema „Insekten“ (die Erst- und Zweitklässler stellen ihre Stücke dann im Juli vor). Wir haben vorab mit unserer Theater- und Kunstlehrerin Verena darüber gesprochen, wie die Kinder das Projekt von der ersten Idee bis zum Bühnenbild eigenständig gestaltet haben und welche wertvollen Entwicklungen sie bei den Kindern beobachten konnte. Vier Theaterstücke an "Senseeon", vier weitere bei der Präsentation der „Kleinen Montessori-Arbeiten“. Wow. Wie behältst Du den Überblick?


Mit ein bisschen Erfahrung, Austausch und Rücksprachen mit Kolleg*innen, Planung in überschaubaren Abschnitten, viel Vertrauen in die Kinder und hoffentlich genug Aufmerksamkeit für einzelne Prozesse. Jede Gruppe arbeitet an ihrer eigenen Geschichte und entwickelt ihre Ideen Schritt für Schritt weiter. Meine Aufgabe besteht vor allem darin, die Kinder zu begleiten, ihnen Struktur zu geben und den Überblick über die verschiedenen Entwicklungsstände zu behalten. Besonders schön ist es zu sehen, wie die Kinder Verantwortung für ihr eigenes Projekt übernehmen und sich gegenseitig unterstützen.


In den vergangenen Jahren gab es beim Sommerfest meistens ein großes Stück der gesamten Grundstufe, das immer ein großes und begeistertes Publikum hatte. Wer hat dieses Mal die Stücke ausgewählt bzw. geschrieben - und worum geht es konkret?


In diesem Jahr haben wir uns bewusst für einen anderen Ansatz entschieden. Statt eines großen gemeinsamen Stücks entstanden vier kleinere Theaterstücke rund um das übergeordnete Thema „Insekten“. Die Kinder haben die Geschichten selbst entwickelt und gestaltet. Sie haben Ideen gesammelt, Figuren erfunden und Handlungsverläufe erdacht.

Dabei sind ganz unterschiedliche Geschichten entstanden: Eine Gruppe beschäftigt sich mit Spinnen – auch wenn diese streng genommen keine Insekten sind. Andere Gruppen erzählen von Ameisen, Bienen oder Schmetterlingen. Jede Geschichte hat ihren eigenen Charakter, mal humorvoll, mal spannend, mal fantasievoll, mal an die Jahreszeit der Entstehung angelehnt, auch bereits bekannte Geschichten sind mit eingeflossen. Gerade diese Vielfalt macht das Projekt besonders lebendig und zeigt, wie kreativ Kinder Themen aufgreifen und weiterentwickeln können.


Kunst- und Theaterlehrerin Verena (hier beim Sportfest im Sommer 2025).
Kunst- und Theaterlehrerin Verena (hier beim Sportfest im Sommer 2025).

Welche Aufgaben übernehmen Kinder, die sich vor Publikum nicht in Insekten verwandeln wollen?

Nicht jedes Kind möchte auf der Bühne stehen, und das ist völlig in Ordnung. Theater besteht aus viel mehr als dem Schauspiel selbst. Um Kostüme, Requisiten und Bühnenbild haben sich alle Kinder gekümmert. Das ist auch ein wichtiger Teil der Entstehung, dass alle Prozesse kennengelernt und wertgeschätzt werden. Da kommt uns die Arbeit in den Werkstätten natürlich sehr entgegen. Wer nun gar nicht auf die Bühne will, ist beim Auf-, Ab- und Umbau dabei, kümmert sich um Geräuscheffekte oder andere Hilfestellungen im Hintergrund. Das ist genauso wichtig und unterstreicht noch einmal die von uns so geschätzte Gruppenarbeit. Jedes unserer Kinder findet einen Platz, an dem es seine Stärken einbringen kann. Uns ist wichtig, dass alle Teil des Projekts sein können - unabhängig davon, ob sie gerne im Rampenlicht stehen oder lieber im Hintergrund wirken.


Wie spiegelt sich die Montessori-Philosophie im Theaterprojekt wider und welche Entwicklungen beobachtest Du bei den Kindern?

Das Theaterprojekt ist in vielerlei Hinsicht ein sehr montessorischer Arbeitsprozess. Die Kinder gestalten die Inhalte selbst, treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung und erleben, dass ihre Ideen ernst genommen werden. Sie arbeiten eigenständig und gleichzeitig in enger Gemeinschaft mit anderen. Dabei lernen sie, zuzuhören, Kompromisse zu finden, Konflikte zu lösen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten.


Besonders beeindruckend ist die persönliche Entwicklung vieler Kinder. Manche wachsen über sich hinaus und entdecken auf der Bühne ganz neue Seiten an sich. Andere gewinnen an Selbstvertrauen, weil sie erleben, dass ihre Ideen wertvoll sind und zum Gelingen des Ganzen beitragen. Gleichzeitig stärken sie wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Verlässlichkeit. Theater bietet dafür einen wunderbaren Raum, weil Kreativität, Persönlichkeit und Gemeinschaft hier auf ganz natürliche Weise zusammenkommen.


 
 
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