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  • karin147

Kinder stark machen, Gewalt vermeiden


Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche passiert nicht aus Versehen, sondern ist fast immer geplant. Deshalb braucht auch gelungene Prävention einen Plan. Die Montessori Schule Niederseeon hat sich auf den Weg gemacht, ein institutionelles Schutzkonzept zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu entwickeln.


Neben Fortbildungen für Lehrkräfte, Handlungs- und Notfallpläne gehören auch Präventionsangebote für Kinder und Eltern dazu. Solche Präventionsangebote gibt es in Niederseeon schon seit Jahren für die 9. KlässlerInnen. Nun wird in diesem Jahr der erste Workshop für die jüngeren Kinder der 3. und 4. Klasse angeboten.


Damit Präventionsarbeit langfristig wirken kann, müssen auch die Erwachsenen im Umfeld der Kinder sensibilisiert sein und Verantwortung für den Schutz der Kinder übernehmen. Aus diesem Grund lud die Montessori Schule alle Eltern der dritten und vierten Klassen zu einem verbindlichen Infoabend ein.



Wie kann ich mein Kind schützen, ohne Ängste zu wecken?

Referent Klaus Eggerding arbeitete über 20 Jahre lang bei der Polizei und koordinierte u.a. den Deliktsbereich häusliche Gewalt.


“Das Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist oft mit Ängsten, Unsicherheit und Scham besetzt. Deshalb ist es wichtig, dass wir Erwachsenen offen damit umgehen. Nur so lernen Kinder, dass auch sie offen darüber sprechen können. Und nur so können wir das Thema Sexualität und sexuelle Grenzverletzungen aus der Tabuzone holen.”


Neben grundlegenden Informationen über sexualisierte Gewalt und Maßnahmen zur Prävention und Intervention nahm sich Klaus Eggerding an dem Abend ausgiebig Zeit, auf die Fragen und Sorgen der Eltern einzugehen.


  • Wie können wir unsere Kinder schützen, ohne ihnen Angst zu machen?

  • Wie können wir unseren Kindern Freiheiten geben und gleichzeitig für ihre Sicherheit sorgen?

  • Was ist eigentlich altersangemessene Aufklärung?

  • Was können wir tun, wenn wir eine sexuelle Grenzverletzung vermuten, oder wenn diese tatsächlich stattgefunden hat?


Die Themen des Workshops im Überblick

Im viertägigen Workshop für die Dritt- und ViertklässlerInnen wird es vor allem darum gehen, die Kinder stark zu machen. Denn starke Kinder sind eher in der Lage, sich in Ausnahmesituationen zu schützen. Dennoch sind letztendlich wir, die Erwachsenen, für den Schutz unserer Kinder verantwortlich.


Zentrale Botschaften des Workshops werden sein:


"Ich bin wertvoll. Ich bin richtig. Ich kenne meine Grenzen. Ich darf nein sagen."


Im ersten Teil des Workshops geht es um den Umgang mit den eigenen Gefühlen und mit Geheimnissen.

  • Wo sitzen eigentlich meine Gefühle, z.B. Wut, Trauer, Freude, Aufregung?

  • Was bereitet mir angenehme oder unangenehme Gefühle?

  • Was kann ich gegen unangenehme Gefühle tun?

  • Was sind gute, was sind schlechte Geheimnisse?

  • Ist das Petzen oder Hilfe holen?


An Tag zwei werden Jungen und Mädchen in Gruppen getrennt, und es geht darum, den eigenen Körper und seine Teile kennenzulernen. Im lockeren Gespräch untereinander erfahren die Kinder: Ich kann offen über meinen Körper reden. Fragestellungen sind:

  • Wie gut kenne ich meinen Körper schon?

  • Kann ich meine Körperteile benennen?

  • Was mag ich gern an mir?

  • Wer darf mich berühren, wer lieber nicht?

  • Welche Berührungen sind mir angenehm, welche unangenehm?


Im dritten Teil des Workshops erfahren die Kinder spielerisch, wie sie Grenzen setzen und Hilfe holen können.


Und im vierten Teil kommen die Kinder ihrer eigenen Identität auf die Spur: Hier können sie sich kreativ ausdrücken, und z.B. Bilder malen oder Collagen basteln.

  • Wer bin ich?

  • Was finde ich gut an mir?

  • Was kann ich gut?


Zum Abschluss des Elternabends gab Klaus Eggerding den Eltern noch ein paar praktische Anregungen mit, wie sie ihren Kindern Freiheiten geben und sie gleichzeitig schützen können:

  1. Eltern sollten immer wissen, wo ihre Kinder gerade sind

  2. Kinder müssen wissen, wie sie ihre Eltern erreichen können.

  3. Eltern sollten mit ihren Kindern Zeiten vereinbaren, zu denen sie nach Hause kommen und diese Zeiten einfordern.

  4. Eltern sollten die Freunde ihrer Kinder und deren Eltern kennenlernen.

  5. Eltern sollten das Namensschild ihrer Kinder im Inneren der Schultasche anbringen.

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