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  • andreageisslitz

Pfadfinder forever: Unser Schüler Jakob auf dem World Scout Jamboree in Korea



Pfadfinder zu sein ist die große Leidenschaft unseres Oberstufen-Schülers Jakob. Er dufte dabei sein beim Weltpfadfinder*innentreffen, dem World Scout Jamboree. Dieses Jahr fand das Jamboree in Südkorea statt. Das Jamboree ist ein außergewöhnliches Lernfeld zur Persönlichkeitsentwicklung für Jugendliche und junge Erwachsene im Bereich interkultureller, sozialer und politscher Aktivitäten und eine ideale Gelegenheit für junge Menschen einen Sinn für Völkerverständigung und internationale Kontakte zu entwickeln. Jakob hat in Südkorea viel erlebt, gelernt und mitgenommen.


Jakob, wie bist Du zu den Pfadfindern gekommen?

Ich bin vor 7,5 Jahre zu den Pfadfindern gekommen. Die Pfadfinder haben hier in Kirchheim auf dem Räterfest immer eine Jurte aufgebaut, und das hat mir total gefallen. Deshalb bin ich dann zu den Gruppenstunden gegangen und dann natürlich auch zu den Lagern mitgefahren. Bei den Pfadfindern gibt es verschiedene Stufen, anfangs war ich Wölfling, mittlerweile bin ich Pfadfinder. Seit zwei Jahren leite ich auch selbst eine Gruppe von 9-10 jährigen Kindern, jeden Montag haben wir Gruppenstunde.


Und wie bist Du dazu gekommen, am Jamboree teilzunehmen? Meine Gruppenleitung, als ich ein Wölfling war, war auch beim Jamboree und fand das so richtig cool. Sie war in Finnland und hat uns und unseren Eltern bei einem Elternabend davon erzählt. Und ich wusste sofort: Da will ich unbedingt hin! Aus meinem Stamm war ich leider der Einzige, der mitfahren konnte. Das war am Anfang etwas blöd, aber ich habe bei den Vortreffen viele andere Teilnehmer*innen kennengelernt.


Wie lief die Vorbereitung ab? Die Vorbereitungsphase hat 1,5 Jahre gedauert. Man fährt in sogenannten Units zum Jamboree, das sind Gruppen von 40 Pfadfinder*innen. Das erste Vortreffen meines Unit war in Poing, da hatten wir ein Wochenende Lager um uns kennenzulernen, wir haben gekocht, Zelte aufgebaut etc. Beim zweiten Vortreffen ging es dann schon konkreter darum, wo wir in Südkorea hinfahren können, welche coolen Orte es gibt, was sind die Riten und Sitten und Korea. Was z.B. echt cool ist an Korea: Wenn man U-Bahn oder S-Bahn fährt, sollte man nicht reden, weil das einfach kulturell nicht gern gesehen ist. Da ist es also immer extrem still. Sowas haben wir gelernt, wie wir uns verhalten.

Und dann kam das Kontingentslager, d.h. alle Units aus Deutschland, mit 2.200 Leuten. Da haben wir uns vier Tage in Immenhausen getroffen und alle kennengelernt, die da mitfahren.

Und beim letzten Vorbereitungstreffen ging es dann nochmal ganz konkret darum: Was wird eingepackt, was darf nicht mit.



Und dann ging es los nach Korea?

Am Tag vor dem Abflug haben wir uns in Riem in einem Stammesheim getroffen, um dann gemeinsam zum Flughafen zu fahren. Wir hatten alle den gleichen Flightbag, also eine große Tasche, die man oben zurollen kann, damit der Rucksack nicht kaputt geht. Der Flug war einmal sechs und einmal acht Stunden Flug mit Zwischenstopp in Abu Dhabi. Erst waren wir nur deutsche Pfadfinder und da sind dann noch Irische dazu gekommen.

Nachdem wir angekommen sind, mussten wir nochmal fünf Stunden Bus fahren quer durch Korea.

Wir sind nicht direkt zum Jamboree sondern hatten zunächst drei Akklimatisierungstage, um uns an das Klima zu gewöhnen, denn es war relativ heiß und immer über 90% Luftfeuchtigkeit. Das war am Anfang einfach mörderisch.



Und wie war dann das Jamboree organisiert?

Auf dem Jamboree waren es 45.000 Teilnehmende plus die ISTs (= International Service Team), d.h. ungefähr 50.000 Personen auf dem Lagerplatz. Dementsprechend groß war der Lagerplatz, du konntest da zwei Stunden vom einen ans andere Ende laufen und warst immer noch nicht ganz drüben.

Viele andere Länder haben Plastikzelte, so wie man es mit der Familie auch hat. Aber die Deutschen haben immer noch Koten und Jurten, das sind Schwarzzelte aus dickem Baumwollstoff, die relativ beständig sind. Vom Jamboree hätten wir Zelte bekommen, die wir aber abbestellt haben und Koten mitgenommen. Die haben wir dann auf Paletten aufgebaut, weil das Jamboree auf einer aufgeschütteten Landzunge stattfand und der Boden kein Wasser aufgenommen hätte. Zelte und Heringe hatten wir dabei, Gaskocher und Tische haben wir bekommen. Stämme haben wir auch bekommen für den Aufbau Koten, allerdings waren die Stämme Bambus. Das ist halt relativ rutschig, wenn man Seile dran festmachen will, aber geht schon. Man muss halt die Knoten beherrschen.


Was hast Du auf dem Jamboree erlebt?

Auf dem Jamboree gab es Workshops und Activity Areas, aus denen man frei wählen konnte. Z.B. Klettern, eine komplette Amateurfunkanlage, Quad Fahren, Erste Hilfe auf Rettungsinseln, riesige Wasserrutschen, Surfen, auf Feuerwehrkissen springen und und und. Ich habe aber was anderes gemacht. Es gab eine Talentshow und da hatten die deutschen einen Gesangsauftritt und da habe ich mitgemacht. Wir waren 20 Leute auf der Jamboree-Bühne und haben zusammen vor den 50.000 Menschen gesungen.

Was ich besonders cool fand, war das Tauschen. Wenn man auf dem Jamboree was haben will, muss man tauschen.


Überall sind Leute rumgelaufen und haben getauscht. Es gab auch überall Abkühlungsareas,

die dann zu Tauschareas wurden, denn überall saßen Leute, die auf eine Jacke ausgebreitet viele Halstücher und Aufnäher zum Tauschen hatten. Ich hatte fünf deutsche Halstücher dabei und dagegen habe ich getauscht. Das irische Halstuch hat mir besonders gefallen. Davon gab es allerdings wenige und weil die cool ausschauen, waren die relativ beliebt. D.h. ich habe zwei Halstücher für das irische Halstuch gegeben. Und das japanische und das aus der Mongolei habe ich auch noch getauscht.

Aber dann kam etwas, was niemand erwartet hatte: An Tag 4 kam die Info, da hinten auf dem Wetterbericht kommt so was großes Drehendes. An Tag 5 kam dann das offizielle „Hey, Leute, morgen seid ihr bitte alle abgebaut“ und wir sind dann mit Bussen in die Nähe von Seoul gefahren worden und wurden dort in Studentenwohnheimen untergebracht. Wir hatten als Deutsche einen Campus, dadurch ist dann leider das Internationale weggefallen.


Sehr schade, aber besser als vom Taifun weggeweht zu werden. Was habt Ihr dann noch gemacht?


Zur Closing Ceremony wurden dann alle Leute, die auf dem Jamboree waren, nochmal ins große Fußballstadion nach Seoul gebracht. Das waren 1000 Busse! Das haben die innerhalb von 24 Stunden hinbekommen zu organisieren. Closing Ceremony war richtig krass mit K-Pop Konzert und allem möglichen, der Präsident war da.

Nach dem Jamboree gab es eine Nachtour. Das heißt, wir waren an drei verschiedenen Orten und haben die Gegend erkundet und Südkorea angeschaut. Wir waren zunächst in Busan, das ist die alte Hauptstadt von Südkorea. Da waren wir z.B. in einem Wasserpark. Die Koreaner sind sehr sicherheitserpicht, ich musste in dem Wasserpark überall Schwimmweste tragen, obwohl ich überall bis auf in einem Becken stehen konnte. Das war ganz komisch.

Dann sind wir weitergefahren von Busan zum Nationalpark und hatten da nochmal ein paar Tage. Da sind wir auf den Berg wandern gegangen, es wären zwei Leute fast umgekippt, weil es waren eben diese 30 Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit, das war echt krass.

Danach sind wir nach Seoul weiter und haben in einer Schule geschlafen. Da haben wir den Seoul Tower besucht und haben uns in der Stadt einiges angeschaut. Durch die Stadt laufen, Shoppen, Korean Barbeque, Nachtmarkt.

Und dann sind wir schon wieder zurückgeflogen. Am Anfang denkt man, 3,5 Wochen sind viel, aber es ging alles so schnell, man hat so viel erlebt.


Was waren Deine drei absoluten Highlights?

Das Tauschen am Jamboree.

Auf der Bühne stehen vor so vielen Menschen und singen.

Und die Stadt Seoul. Das ist wirklich so krass, wie freundlich die Leute sind. Alle lächeln, alle grüßen.


D.h. Du würdest dieses Erlebnis gerne wiederholen?

Ja, auf jeden Fall.

Das Jamboree ist alle vier Jahre. Da man zum Zeitpunkt des Jamborees zwischen 14 und 17 sein muss, kann man eigentlich nur einmal im Leben als Teilnehmer zu einem Jamboree. Aber ich überlege mir, ob ich zum nächsten Jamboree, das ist in Polen, z.B. als Unit-Leiter mitfahre.


Wie hat das Jamboree Dein Pfadfinderleben beeinflusst?

Ich habe viele neue Leute kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Aber es hat weniger mein Pfadfinderleben verändert, es hat vor allem mich sehr viel verändert. Die Erfahrung, so viele Menschen, dieses Land.


Pfadfinder und Montessori - bedingt sich das für Dich gegenseitig?

Es ist halt viel einfach draußen und entdecken. Also mal was auszuprobieren. Zum Beispiel hatte gestern ein Kind einen Feuerstahl dabei, hat damit aber noch nie ein Feuer anbekommen. Deshalb habe ich ihm erklärt, wie man es schafft, dass man damit ein Feuer ankriegt. Das „Hilf mir, es selbst zu tun“ probiere ich als Gruppenleiter auch immer mit einfließen zu lassen. Also ich würde schon sagen, dass es da einige Parallelen gibt.


Was hast Du für Pläne nach der 10. Klasse, mal abgesehen von der Unit-Leitung auf dem Jamboree in Polen?

Ich gehe dann auf die FOS Technik nach München und mache da ein bisschen mehr Physik und Mathe. Und bisher ist mein Plan, wenn ich mein Abitur habe, ein Jahr lang mit dem Fahrrad durch die USA oder ein Jahr in Asien rumzufahren. Ich möchte ein Jahr mit dem Fahrrad irgendwo rumfahren, was sicher echt cool wird.






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